Markenmaskottchen vs. Markenfigur: Was solltest du entwickeln?
Verstehe den Unterschied zwischen einem Markenmaskottchen und einer Markenfigur und wähle dann das passende visuelle System für deine Produkt-, App- oder SaaS-Marke.
Die Begriffe „Markenmaskottchen“ und „Markenfigur“ werden oft synonym verwendet, bedeuten aber nicht ganz dasselbe.
Ein Maskottchen ist in der Regel ein wiedererkennbares Aushängeschild: das Gesicht eines Produkts, Teams, einer Community oder Kampagne. Eine Markenfigur geht weiter. Sie ist ein ausgearbeitetes Persönlichkeitssystem, das in unterschiedlichen Posen, Geschichten, Kanälen und Produktsituationen auftreten kann.
Der Unterschied ist wichtig, denn deine Wahl bestimmt, was du entwickeln musst.
Der kurze Unterschied
Ein Markenmaskottchen ist die Figur, die Menschen im Gedächtnis bleibt.
Ein Markenfiguren-System umfasst die Regeln, Posen, Gesichtsausdrücke, Farben und Verhaltensweisen, die die Figur im echten Markenalltag vielseitig einsetzbar machen.
Wenn du nur ein einprägsames Gesicht für dein Marketing brauchst, reicht möglicherweise ein Maskottchen. Soll die Figur jedoch in Onboarding, Dokumentation, Anzeigen, der Produkt-UI und Social-Media-Posts auftauchen, brauchst du ein Figuren-System.
Was ein Markenmaskottchen besonders gut kann
Ein Maskottchen ist besonders stark, wenn Wiedererkennung zählt.
Es gibt deiner Marke eine Form, an die sich Menschen schneller erinnern als an ein Wortzeichen. Es schafft eine gedankliche Abkürzung: „der Pinguin“, „die Eule“, „der Fuchs“, „der Roboter“, „der Panda“.
Maskottchen sind besonders nützlich für:
- Entwicklertools
- Bildungs-Apps
- Abonnements für Endkund:innen
- Communities
- Open-Source-Projekte
- Produkte mit abstrakten Wertversprechen
Wenn sich dein Produkt visuell nur schwer erklären lässt, gibt ein Maskottchen den Menschen etwas Konkretes, woran sie sich festhalten können.
Was ein Markenfiguren-System besonders gut kann
Ein Figuren-System ist besonders stark, wenn Konsistenz zählt.
Es beantwortet Fragen wie:
- Wie sieht die Figur aus, wenn sie glücklich, verwirrt oder hilfsbereit ist?
- Welche Posen gehören in die Produkt-UI?
- Welche Farben dürfen sich mit den Markenthemes ändern?
- Wie viele Details sind bei kleinen Größen zulässig?
- Darf die Figur mit Requisiten auftreten?
- Über welche Themen sollte die Figur niemals Witze machen?
Das verhindert, dass aus einem Maskottchen eine beliebige Sammlung von Stickern wird.
Beispiel: Ein Maskottchen mit hohem Wiedererkennungswert
Quelle: Tux Classic flat look. Tux wurde ursprünglich von Larry Ewing gestaltet; die spätere SVG-Arbeit wird Wikimedia Commons zugeschrieben.
Tux ist ein gutes Beispiel, weil seine Silhouette sofort wiedererkannt wird. Die Figur braucht keine komplexe Szene, um Identität zu vermitteln. Das ist die Stärke eines Maskottchens: Eine einfache Form, die viel Markenwiedererkennung in sich trägt.
Wenn du jedoch eine Produkt-UI rund um die Verwendung einer Tux-ähnlichen Figur aufbauen würdest, bräuchtest du trotzdem Systemregeln: Posen für Fehlerzustände, Onboarding-Posen, Größenlimits, Vorgaben für Farben und Nutzungsrichtlinien.
Wähle ein Maskottchen, wenn …
Setze zuerst auf ein Maskottchen, wenn:
- du schnell ein einprägsames Markensymbol brauchst
- dein Produkt auf Marketingseiten mehr Wärme ausstrahlen soll
- du ein Community- oder Open-Source-Projekt startest
- du nur einige wenige zentrale Illustrationen brauchst
- du noch nicht alle Anwendungsfälle des Produkts kennst
Entwirf in diesem Fall eine herausragende Figur und eine kleine Auswahl flexibler Posen.
Wähle ein Figurensystem, wenn …
Entscheide dich für einen systemorientierten Ansatz, wenn:
- die Figur innerhalb des Produkts erscheinen wird
- mehrere Designer oder Marketingfachleute sie verwenden werden
- du konsistente Illustrationen für viele Screens brauchst
- die Marke Kampagnen über mehrere Kanäle hinweg durchführen wird
- die Figur mit dem Unternehmen mitwachsen muss
Investiere in diesem Fall früh in klare Regeln. Du brauchst kein riesiges Markenhandbuch, aber du brauchst Vorgaben.
Das minimal nötige System für eine Markenfigur
Ein kleines Team kann mit Folgendem starten:
1. Figurenübersicht
Vorderansicht, leicht seitliche Ansicht, Gesichtsdetails, Farbpalette und Proportionen.
2. Posenbibliothek
Fünf bis zehn Posen für Begrüßung, Erklärungen, Nachdenken, Feiern, Fehler und Hilfe.
3. Nutzungsregeln
Wo die Figur auftaucht, wo nicht, welchen Ton sie vermitteln soll und wie groß sie sein darf.
4. Farbvorgaben
Welche Farben feststehen und welche an die Markenpalette angepasst werden können.
5. Hinweise zur Stimme
Wenn das Maskottchen in Texten „spricht“, lege fest, ob es verspielt, ruhig, technisch, frech oder rein visuell wirken soll.
Erstelle eine skalierbare Markenfigur
Erstelle konsistente Maskottchen-Posen, Markenfarben und wiederverwendbare SVG-Assets für die Identität deines Produkts.
Dein Maskottchen erstellenDer häufigste Fehler
Der häufigste Fehler besteht darin, ein Maskottchen so zu gestalten, als würde es auf der Startseite bleiben.
Dann nutzt das Team es überall: in einer Vertriebspräsentation, auf einer 404-Seite, in einem Hilfeartikel, in einem Launch-Beitrag und in einem Preismodalfenster. Jede neue Verwendung führt zu einer neuen Zeichnung. Irgendwann verändert die Figur ihre Form, Farbe und Persönlichkeit.
Das ist kein Maskottchen-Problem. Es ist ein Systemproblem.
Die praktische Empfehlung
Für die meisten modernen SaaS- und App-Teams lautet die Antwort:
Beginne mit einem Maskottchen, aber gestalte es als Ausgangspunkt für ein Charaktersystem.
Das bedeutet, dass du zu Beginn keine fünfzig Posen brauchst. Aber du solltest die ersten fünf mit Blick auf eine konsistente Weiterentwicklung gestalten.
Frag dich:
- Kann diese Figur mehr als eine Emotion ausdrücken?
- Kann sie in einer kleinen Produkt-UI funktionieren?
- Kann sie mit Requisiten auftreten?
- Kann eine neue Pose generiert oder illustriert werden, ohne die Identität zu verändern?
Wenn die Antwort ja lautet, erstellst du nicht nur ein niedliches Maskottchen. Du baust ein Marken-Asset auf, das mit der Zeit immer wertvoller wird.